TERTELE

(MASSAKER DER DERSIM)

 

es war

eine taube und blinde zeit

graue farben

in schwarzen tagen

der befehl war unterwegs 

der tot wieder wach

der gott war sprachlos und schwach

 

dutzende bataillone

dutzende flugjäger

es regnete über uns

es regnete überall

giftgas und kugeln

sonne schämte sich 

sonne hatte sich verdunkelt

der himmel war brutal

 

niemand hatte mitleid

keiner fragte

vor der jagd

ob säugling ob schwanger oder alt 

erde war wie ein feuergarten

berge tausende meilen weit

 

wir brachen zusammen

wir starben 

wir fielen ins feuer

wir brannten 

wir schmolzen

einer nach dem anderen

 

mensch sein mensch lieben mensch bleiben 

sonne wasser und natur 

heilig sehen und heiligen 

ist unsere schuld und unsere sühne 

aber auf der bühne

nennt man uns die ungeheuer nennt man uns die unmenschen

nennt man uns diejenigen 

die schamlosen und unseligen

 

gerechtigkeit ist unsichtbar freunde bleiben fern

die grossen augen aus dem westen sehen uns ganz genau 

aber hören keine schreie haben kein gewissen

hauptsache der profit 

nicht der junge säugling 

mit einem bajonett von der mutter gerissen

 

so geschah das massaker vor den juden in dersim 

so machte die türkei uns zum feind der türken

so vergass man uns in den höhlen probe für den holocaust 

den rest hat man vertrieben 

verstreut in der ferne in elend und unlieben

 

so war unseres volkes mord 

so war unser sterben

stilles schweigen und die scharfen scherben

bleiben in unseren seelen bleiben unsere erben...